Gewinn zeigt wirtschaftlichen Erfolg. Liquidität zeigt, ob Rechnungen heute bezahlt werden können. Bei Freiberuflern fallen Auftrag, Rechnung, Zahlung und Steuer häufig in verschiedene Monate. Eine Liquiditätsplanung macht diese Zeitverschiebung sichtbar.
Liquidität in einer Formel
Anfangsbestand Bank und Kasse
+ tatsächliche Einzahlungen
− tatsächliche Auszahlungen
= Endbestand
Der Endbestand eines Zeitraums wird zum Anfangsbestand des nächsten. Wird er negativ, muss vor diesem Zeitpunkt eine Maßnahme greifen.
Welche Einzahlungen gehören hinein?
- erwartete Kundenzahlungen mit realistischem Zahlungsdatum,
- Anzahlungen und Abschläge,
- Steuererstattungen, wenn hinreichend sicher,
- Darlehensauszahlungen,
- private Einlagen,
- Verkauf von Anlagevermögen.
Planen Sie nicht das Rechnungsdatum als Zahlungseingang, wenn Kunden regelmäßig später zahlen. Unsichere Aufträge gehören in ein Szenario, nicht in den sicheren Grundbestand.
Welche Auszahlungen werden häufig vergessen?
- Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Vorauszahlungen,
- Krankenversicherung und Altersvorsorge,
- private Entnahmen oder Unternehmerlohn,
- jährliche Versicherungen und Mitgliedsbeiträge,
- Software, Lizenzen und Wartung,
- Investitionen und Anzahlungen,
- Kreditraten, Zinsen und Leasing,
- Rückzahlungen an Kunden,
- Urlaubs- und Krankheitszeiten ohne Umsatz.
Trennen Sie betriebliche Liquidität und private Lebenshaltung, verbinden Sie beide aber über eine klar geplante Entnahme.
Beispiel für drei Monate
Die folgenden Werte sind frei gewählte Annahmen und keine Empfehlung:
| Position | Januar | Februar | März |
|---|---|---|---|
| Anfangsbestand | 12.000 € | 8.500 € | 4.000 € |
| Kundenzahlungen | 9.000 € | 7.500 € | 18.000 € |
| betriebliche Auszahlungen | −5.500 € | −6.000 € | −7.000 € |
| Steuern und Versicherungen | −2.000 € | −3.000 € | −4.000 € |
| private Entnahme | −3.000 € | −3.000 € | −3.000 € |
| Investition | −2.000 € | 0 € | 0 € |
| Endbestand | 8.500 € | 4.000 € | 8.000 € |
Obwohl über drei Monate mehr Geld eingeht als ausgeht, fällt der Bestand im Februar auf 4.000 Euro. Genau dieser Tiefpunkt bestimmt, wie groß der Puffer sein muss.
13-Wochen-Plan für die kurzfristige Steuerung
Eine wöchentliche Planung ist hilfreich, wenn Zahlungszeitpunkte knapp sind. Verwenden Sie pro Woche:
- sicheren Bankbestand,
- fällige und erwartete Kundenzahlungen,
- zwingende Auszahlungen,
- verschiebbare Auszahlungen,
- Endbestand und Mindestreserve.
Aktualisieren Sie Ist-Werte und verschieben Sie nicht bezahlte Rechnungen auf ein realistisches neues Datum. So verbessert sich die Planung mit jeder Woche.
Drei Szenarien
Basis: Zahlungen treffen nach dem üblichen Muster ein.
Vorsichtig: Größere Rechnung verspätet sich, Umsatz sinkt oder Kosten steigen.
Stark: Zusätzlicher Auftrag wird gewonnen, jedoch nur mit den dazugehörigen Vorleistungen und Steuern.
Das vorsichtige Szenario zeigt, ob die Mindestreserve ausreicht. Eine Kreditrate sollte nicht nur im starken Szenario tragbar sein.
Maßnahmen nach Ursache der Lücke
| Ursache | Erste Prüfmöglichkeit |
|---|---|
| einzelne Rechnung verspätet | Kunde ansprechen, Abschlag oder Factoring prüfen |
| saisonale Lücke | Reserve oder klar begrenzte Kreditlinie planen |
| Steuernachzahlung | Rücklage korrigieren und Finanzamt frühzeitig kontaktieren |
| Investition | Laufzeitgerechten Investitions- oder Förderkredit prüfen |
| dauerhaft höhere Kosten als Einzahlungen | Preise, Kosten und Geschäftsmodell anpassen; Kredit allein reicht nicht |
Factoring, Kontokorrent oder Ratenkredit?
Factoring kann zu offenen B2B-Forderungen passen. Kosten, Rückgriff, Debitorenprüfung und Mindestvolumen unterscheiden sich nach Anbieter.
Kontokorrent kann wiederkehrende kurze Lücken abdecken. Zinsen fallen auf die Nutzung an; eine dauerhaft ausgeschöpfte Linie ist ein Warnsignal.
Ratenkredit oder Betriebsmitteldarlehen passt eher zu einem bezifferten Bedarf mit festem Rückzahlungsplan. Die Laufzeit sollte zur Dauer des finanzierten Bedarfs passen.
Frühwarnwerte definieren
Legen Sie eigene Schwellen fest:
- Mindestkontostand,
- maximal tolerierte überfällige Forderungen,
- spätester Zeitpunkt für Mahnung oder Kundengespräch,
- Mindestreserve für Steuern,
- maximale Nutzung einer Kreditlinie,
- Zeitpunkt, zu dem Steuerberatung oder Sanierungsberatung einbezogen wird.
Diese Werte sind betriebsindividuell. Eine pauschale Monatsumsatzregel ersetzt keine Planung.
Checkliste für jede Aktualisierung
- Bankbestand mit Konto abgeglichen.
- Kundenzahlungen nach realistischem Datum geplant.
- Steuer und private Entnahmen enthalten.
- einmalige und jährliche Zahlungen erfasst.
- Kreditraten und Investitionen berücksichtigt.
- vorsichtiges Szenario aktualisiert.
- Maßnahmen beginnen vor dem negativen Bestand.
Fazit
Eine Liquiditätsplanung ist kein einmaliges Bankdokument. Sie ist ein laufendes Steuerungswerkzeug. Wer Zahlungszeitpunkte, Steuern, Entnahmen und Kreditraten konsequent einträgt, erkennt Engpässe, bevor nur noch teure oder ungeeignete Lösungen bleiben.