Bei einer Baufinanzierung müssen Selbstständige zwei Risiken nachvollziehbar beantworten: Bleibt das Einkommen über viele Jahre belastbar und passt die Finanzierung zum Wert der Immobilie? Eine geordnete Kreditakte verbindet deshalb Geschäftsunterlagen, private Haushaltsrechnung, Eigenkapital und Objektunterlagen.
1. Budget vor der Immobiliensuche bestimmen
Beginnen Sie nicht mit dem maximalen Kaufpreis, sondern mit einer Rate, die auch in einem schwächeren Geschäftsmonat tragbar bleibt.
Erfassen Sie:
- durchschnittliches verfügbares Einkommen,
- private Lebenshaltung und Versicherungen,
- Steuern und Vorsorge,
- bestehende Kredite, Leasing und Unterhalt,
- betriebliche Fixkosten und Entnahmen,
- regelmäßige Instandhaltungsreserve,
- Puffer für Einkommensausfälle.
Rechnen Sie zusätzlich, wie hoch Rate und Restschuld nach Ende der Sollzinsbindung sein könnten. Eine niedrige Anfangsrate ist nicht automatisch eine günstige Finanzierung.
2. Einkommenshistorie vorbereiten
Banken verwenden je nach Institut unterschiedliche Zeiträume und Berechnungen. Typischerweise können verlangt werden:
- Einkommensteuerbescheide mehrerer verfügbarer Jahre,
- EÜR oder Jahresabschlüsse,
- aktuelle BWA mit Summen- und Saldenliste,
- private und betriebliche Kontoauszüge,
- Nachweise über weitere Einkünfte,
- Übersicht der privaten Entnahmen.
Es gibt keine allgemeine Regel, nach der immer genau zwei oder drei Jahre ausreichen. Bei junger Selbstständigkeit, starken Schwankungen oder einem Branchenwechsel können zusätzliche Nachweise erforderlich sein.
3. Abweichungen verständlich erklären
Erstellen Sie eine einseitige Übersicht mit Umsatz, Gewinn und wesentlichen Sondereffekten je Jahr. Beispiele für erklärungsbedürftige Abweichungen sind:
- Elternzeit oder Krankheit,
- größere betriebliche Investitionen,
- außergewöhnliche Projektverschiebungen,
- Verlust und Ersatz eines Großkunden,
- Wechsel von Neben- zu Haupterwerb,
- Änderungen der Rechts- oder Buchführungsform.
Eine Erklärung ersetzt keine Tragfähigkeit. Sie hilft aber, einmalige Effekte von dauerhaften Problemen zu unterscheiden.
4. Objektunterlagen vollständig sammeln
Beim Kauf einer Bestandsimmobilie können unter anderem benötigt werden:
- Exposé und Kaufvertragsentwurf,
- Grundbuchauszug,
- Flurkarte oder Lageplan,
- Grundrisse und Wohnflächenberechnung,
- Energieausweis,
- Baubeschreibung und Modernisierungsnachweise,
- bei Eigentumswohnungen Teilungserklärung, Protokolle und Wirtschaftsplan,
- Aufstellung geplanter Sanierungsarbeiten.
Bei Neubau kommen Bauvertrag, Kostenaufstellung, Pläne, Genehmigungen, Zahlungsplan und gegebenenfalls Unterlagen eines Energieeffizienz-Experten hinzu.
5. Gesamtbedarf statt nur Kaufpreis rechnen
Zum Gesamtbedarf gehören:
Kaufpreis oder Baukosten
+ Grunderwerbsteuer
+ Notar und Grundbuch
+ gegebenenfalls Makler
+ Renovierung, Ausstattung und Außenanlagen
+ Finanzierungs- und Bereitstellungskosten
= Gesamtbedarf
Die tatsächlichen Nebenkosten hängen von Bundesland, Vertrag und Vorhaben ab. Verwenden Sie konkrete Angebote und aktuelle Steuersätze statt einer pauschalen Prozentzahl.
6. Eigenkapital und Reserve trennen
Listen Sie Bankguthaben, Bausparguthaben, Wertpapiere, Schenkungen und weitere Mittel einzeln auf. Ziehen Sie davon Steuerzahlungen, betriebliche Verpflichtungen und die geplante Reserve ab.
Eine Bank kann Wertpapiere, Eigenleistungen oder betriebliche Guthaben nur teilweise berücksichtigen. Ein Familiendarlehen ist grundsätzlich Fremdkapital und gehört mit Rate und Rang in die Verpflichtungsübersicht.
Eigenkapital bei der Baufinanzierung im Detail
7. Angebote auf dieselben Annahmen bringen
Vergleichen Sie mehrere Finanzierungen nur mit identischen Eckdaten:
- Darlehensbetrag,
- Sollzinsbindung,
- anfängliche Tilgung,
- Monatsrate,
- effektiver Jahreszins,
- Restschuld am Ende der Bindung,
- Sondertilgungs- und Tilgungswechselrechte,
- Bereitstellungszinsen,
- einzusetzende Sicherheiten.
Eine längere Sollzinsbindung kann Planungssicherheit erhöhen, aber andere Konditionen haben. Entscheidend ist nicht nur der heutige Zinssatz, sondern die Restschuld im späteren Zinsumfeld.
8. Förderprogramme vor Vertragsschluss prüfen
KfW-Programme ändern sich. Aktuell bestehen unterschiedliche Angebote für selbst genutztes Wohneigentum, klimafreundlichen Neubau, Familien und energetische Sanierung. Zielgruppe, Einkommensgrenzen, technische Anforderungen und Höchstbeträge hängen vom Programm ab.
Klären Sie mit dem Finanzierungspartner:
- welches Programm zum Objekt passt,
- welche Nachweise erforderlich sind,
- wann der Antrag gestellt sein muss,
- ob Kauf- oder Bauvertrag eine aufschiebende Bedingung braucht,
- welche Kosten förderfähig sind,
- ob Programme kombiniert werden können.
Verlassen Sie sich nicht auf ältere Beträge aus Vergleichsseiten. Maßgeblich sind die aktuelle KfW-Produktseite und das Merkblatt.
9. Vor dem Bankgespräch selbst prüfen
- Rate bleibt auch bei vorsichtigerem Einkommen tragbar.
- Steuerbescheide, EÜR oder Abschlüsse und BWA sind vollständig.
- Sondereffekte sind auf einer Seite erklärt.
- Objektunterlagen und Kostenangebote sind vorhanden.
- Eigenkapital, Steuerrücklagen und Reserve sind getrennt.
- Bestehende Kredite und Bürgschaften sind vollständig angegeben.
- Förderfristen wurden vor Unterschrift geprüft.
- Angebote werden mit gleicher Laufzeit und Tilgung verglichen.
Fazit
Eine gute Baufinanzierung beginnt mit einer vorsichtigen Haushaltsrechnung und endet nicht beim Kaufpreis. Selbstständige stärken ihre Kreditakte durch mehrjährige Zahlen, aktuelle Geschäftsentwicklung, eine klare Erklärung von Schwankungen und vollständige Objektkosten. Entscheidend ist eine Rate, die auch bei schwächeren Einnahmen und nach Ablauf der Sollzinsbindung tragbar bleibt.